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Posts mit dem Label "musings" werden angezeigt.

Coming Out

Coming Out ist immer ein Prozess. Ein Kampf, als die Person gesehen zu werden, die ich bin. Nur, dass dieser Kampf nie aufhört. Ich habe die Wahl zwischen gesehen werden, aber dafür kämpfen müssen  oder nicht kämpfen, aber unsichtbar zu sein , wobei letzteres in der Regel damit einhergeht, mich selbst zu verlieren, traumatisiert und invalidiert zu werden und so schließlich im Tod endet. Ein Tod, in den wir getrieben werden, weil von uns erwartet wird, dass wir uns verleugnen. Nicht in die normativen Vorstellungen meiner Umgebung zu passen, bedeutet, mir jedes bisschen Raum, jede Luft zum Atmen, Anerkennung, accessibility erkämpfen zu müssen. Und dabei ständig auf Unverständnis, Zurückweisung, Vorwürfe, Ablehnung, Hass und Gewalt zu stoßen. Oft sogar von jenen, die behaupten, sie würden mich unterstützen (wollen). Jedes Mal ist es ein Glücksspiel, wie Menschen reagieren. Die Gefahr von Gewalt ist ständig präsent - selbst wenn ich versuche, mich zu verstecken. Denn passen werde ich t...

Die 5 Sprachen der Entschuldigung

Multiamory hat schon 2017 eine Episode über die 5 Sprachen der Entschuldigung  herausgebracht, in der sie Dr. Gary Chapman zitieren bzw. zusammenfassen. Ich fand die Episode sehr hilfreich, weil sie die Kategorien und ihre Unterschiede gut herausarbeitet und Beispiele gibt. Hier also eine ausdrückliche Empfehlung dafür. Beide Ressourcen sind allerdings auf Englisch und der Test fragt nach binärem Geschlecht, obwohl das nicht nötig ist. Es gibt die Möglichkeit, es nicht beantworten zu wollen, aber toll ist das dennoch nicht. Die 5 Sprachen der Entschuldigung sind, ähnlich wie die 5 Sprachen der Liebe , eine Kategorisierung, um sich bewusst zu machen, welche Arten des Ausdrucks wir selbst besser sprechen und verstehen können und dass das nicht für alle Menschen gleich ist. Ich finde diese Art der Konzeptualisierung unheimlich hilfreich, auch weil sie zu mehr Bewusstsein über mich selbst, aber auch meine Mitmenschen führt. Das bedeutet, dass ich Dinge leichter erkennen und schätzen k...

Die 5 Sprachen der Liebe

Liebe ist ein Gefühl. Aber Lieben ist auch eine Handlung - nämlich dann, wenn ich nicht nur für mich liebe, sondern ein Gegenüber habe, dem ich das mitteilen möchte, mit dem ich das teilen mag. Dr. Gary Chapman hat dazu ein Modell entworfen, das er Die 5 Sprachen der Liebe nennt. Dazu gibt es auf seiner Seite einen Test . Der Test ist allerdings auf Englisch und fragt nach binärem Geschlecht. Die Frage kann unbeantwortet bleiben, taucht aber auf. Kurz zusammengefasst sagt er, dass wir Liebe unterschiedlich ausdrücken können und Menschen unterschiedliche Aspekte davon unterschiedlich gut sprechen und verstehen können. Sprechen und Verstehen müssen dabei auch nicht deckungsgleich sein, obwohl Chapman selbst diese Trennung, soweit ich weiß, nicht macht. Das Modell ist relativ einfach gehalten und es kommt immer wieder die Kritik auf, dass bestimmte Aspekte fehlen oder die Kategorien nicht fein genug sind. Grundsätzlich finde ich aber, dass es ein guter Ansatz ist, mal darüber nachzudenke...

Die Schwierigkeiten mit Safewords

Safewords sind unheimlich wichtig. Safewords sind vorher vereinbarte Worte, die dafür sorgen sollen, dass Menschen eine Situation, in der sie sich nicht mehr gut/wohl fühlen, schnell und unkompliziert abbrechen können. Safewords können von jeder beteiligten Person jederzeit genutzt werden. Hierbei geht es vor allem um körperliche und seelische Unversehrtheit. In der Regel wird auch davor darüber gesprochen, was ein Safeword genau bedeutet und wie damit umgegangen werden muss. Oft beinhaltet es aber den Abbruch der Situation. Ich.. habe mit Safewords Probleme. Nicht, weil ich das Konzept an sich problematisch finde, im Gegenteil. Mein Problem mit Safewords - und auch allen anderen Alternativen in der Richtung - ist, dass es voraussetzt, dass sich der Mensch in der Situation daran erinnern können muss. Wenn ich eine Situation mit einem Safeword unterbrechen will, gibt es einige Dinge, an die ich in dem Moment denken muss: a) es gibt ein Safeword Ich muss mir jederzeit bewusst sein, dass ...

NRE oder auch: Hilfe, ich bin verliebt!

Ich beobachte gerade warm-glücklich, wie mir liebe Menschen in NRE versinken und davon auch ein wenig überfordert sind. An der ein oder anderen Stelle habe ich auch schon mit Rat (oder Umarmungen) beigestanden. Weil ich gerade so im Thema bin, habe ich das also als Anlass genommen, mal niederzuschreiben, was ich in den letzten Jahren so gelernt habe, teils durch andere Ressourcen, teils durch eigene Erfahrungen. Vielleicht fangen wir aber vorne an. Was ist NRE überhaupt? NRE, Englisch New Relationship Energy, bezeichnet die "Energie", die sich zu Beginn einer Beziehung einstellt. Es geht um die "Rosarote Brille", von der häufig gesprochen wird. Dabei kann sich NRE auch in nicht-romantischen Verbindungen einstellen, meistens wird aber von NRE in Verbindung mit romantischen, häufig auch sexuellen, Verbindungen gesprochen. NRE beginnt oft schon, bevor es eine Beziehung im klassischen Sinne gibt, nämlich wenn (beidseitiges) Interesse an einer (n...

Glass Ceiling Questions: Wie weit kann unsere Beziehung gehen?

Nicki Wick hat ein paar Glass Ceiling Questions (englisch) für Beziehungen zusammengetragen, die ich unheimlich spannend finde. Entsprechend gibt es sie hier einmal beantwortet: Do you practice hierarchy? -- Lebst du deine Beziehungen hierarchisch? Ich finde, dass es schwierig ist, diese Frage so pauschal zu beantworten. Für mich macht es schon einen Unterschied, ob ich mit dem Menschen an der Kasse spreche, gerade eine tiefere Verbindung aufbaue oder schon Jahre nahe Verbindungen mit Menschen habe. Nicht jeder Mensch ist gleich. Nicht jeder Mensch ist mir gleich nah. Nicht mit jedem Menschen möchte ich die gleichen Dinge teilen, entsprechend stehen nicht jedem Menschen alle Möglichkeiten frei. Ich habe das hier bereits im Detail erläutert. If so, which kind of hierarchy do you practice (prescriptive or descriptive)? -- Wenn ja, welche Art Hierarchie lebst du (präskriptiv oder deskriptiv)? Definitiv deskriptiv. Präskriptive Hierarchie ist nichts für mich. Aber es gibt definitiv Mensc...

Beziehungen als Bedürfniserfüller?

Ich habe mich vor ein paar Tagen mit einem lieben Menschen über Beziehungen unterhalten. Dieser Mensch meinte, dass Beziehungen in gewisser Weise ja auch Bedürfnisbefriedigung seien. Dazu kam mir dann gestern noch ein Thread auf Twitter unter, dessen (für mich) zentrale Aussage Weshalb sollte der Mensch alle seine Bedürfnisse erfüllt bekommen, egal ob von einem oder von mehreren? Wie kommt man auf diese Idee? *Das* ist Disney-Romantik! Das Bild der rundum "glücklichen" Person, der alle Bedürfnisse erfüllt werden. #askapoly #polyamory — Glitz R. Stern (@glittertinted) March 4, 2020 mich zu einen Antwort-Thread verleitet hat, in Folge dessen ich noch eine tolle Unterhaltung zu dem Thema hatte. Beides schlägt in die selbe Kerbe und lässt mich nicht so richtig los. Erstmal ganz deutliche Zustimmung zu der Aussage des Tweets oben. Niemand hat ein Recht darauf, seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Egal von wem oder wie vielen. Beziehungen sind nicht dafür da, meine...

Süßigkeiten und Verbindungen

Ich habe irgendwann angefangen, Beziehungen oder auch Verbindungen allgemein mit Süßigkeitentüten zu vergleichen. Diesen weißen Papiertüten, die man früher für 1 DM am Kiosk kaufen konnte. Dabei ist die Tüte das Label der Verbindung. Eine weiße Tüte ist also eine (romantische) Beziehung. Die einzelnen Süßigkeiten sind all die Dinge, die zu der Beziehung gehören, die sie zu einer Beziehung machen. Wenn ich Beziehung sage, dann gehören für mich bestimmte Dinge ganz sicher dazu. Ich habe Erwartungen daran, was das bedeutet und gehe in der Regel davon aus, dass das für andere auch so oder wenigstens ähnlich ist. Ähnlich, wie wenn ich den Kiosk gehe und mir dort eine bereits gefüllte Tüte hole. Wenn ich immer im gleichen Kiosk bin, dann weiß ich nach einiger Zeit, was da so drin ist und was ich zu erwarten habe. Ich gehe davon aus, dass das im nächsten Kiosk auch so ist, weil ich das ja so kennen gelernt habe und am Ende verkauft er ja das selbe - eine weiße Papiertüte mit Süßigkeiten...