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Semikolon

Das Semikolon hat, neben der grammatikalischen Bedeutung, auch eine metaphorische. Wie das grammatikalische Semikolon ist das metaphorische ebenfalls kein Komma, aber auch kein richtiges Ende.   Mein Leben hätte hier enden können. Es ist aber weitergegangen. Ich habe überlebt. Das Semikolon bekommt in seiner metaphorischen Bedeutung zunehmend Bedeutung für mich. Nicht, weil das alles so neu ist, sondern weil ich schon mehrfach an diesem Punkt stand. Ich erinnere mich an zwei Instanzen sehr deutlich, in denen ich um Hilfe gebeten habe, weil ich an dem Punkt war. Und .. einfach keine kam. "Du willst doch nur Aufmerksamkeit" und ähnliche Aussagen, als ich verzweifelt nach Auswegen gesucht habe. Nach Hilfe. Nach Unterstützung. Nach Gründen, es nicht zu tun. Als einfach alles so viel gewesen ist, dass ich nicht mehr konnte. Aber auch Angst davor hatte. Obwohl, das ist nicht richtig. Ich hatte keine Angst. Ich wusste, dass es mir hätte Angst machen sollen, auch wenn ich sie nicht f...

Trauma und Consent

Mir ist wieder ein Artikel untergekommen, zu dem ich einige eigene Gedanken habe, dieses Mal von Tochter Kampfstrumpf . Darin erzählt sie von ihrer Erfahrung mit einem Consent Workshop, warum der für sie nicht funktioniert hat und was Trauma damit zu tun hat. Menschen, die Trauma erlebt haben, brauchen da teils andere Dinge oder auch einfach nur mehr Raum oder Unterstützung. Vieles von dem, was sie schreibt, entspricht sehr meinen eigenen Erfahrungen.  Als meine Sitznachbarin an der Reihe ist meinen Arm zu streicheln, fragt sie mich, ob das, was sie macht so in Ordnung ist, oder ich etwas anderes möchte. Ich kann die Frage nicht beantworten, horche in mich rein, atme tief ein und aus, schließe die Augen und öffne sie wieder. Ich finde keinen Zugang zu dem Gefühl und merke, wie ich davon gestresst werde. Ist das in Ordnung? Möchtest du das gerade? Wie oft habe ich keine Antwort darauf, weiß nicht, was mir gerade gut tun würde. Weiß nicht mal, ob das Bedürfnis, wenn ich es denn endli...

#NotJustSad - Depressionen und Beziehungen

Ich schreibe seit einiger Zeit ja mehr über Depression als über Beziehungskonzepte und sowas. Das liegt vor allem daran, dass die Depression das ist, was mein Leben derzeit am meisten prägt. Aber darüber hinaus gibt es dafür noch einen schwerwiegenderen Grund - der sich letztlich daraus ergibt und eine Folge der Depression ist, aber gleichzeitig auch nicht. Denn durch die Depression, oder besser: ihre Symptome, fällt es mir schwer oder ist zum Teil sogar unmöglich geworden, Beziehungen aufrecht zu erhalten und sie zu pflegen. Sehr verkürzt: In meinem Leben gibt es derzeit kaum Beziehungsarbeit, die Beziehungen, die ich vorher hatte, leiden massiv unter meiner derzeitigen Verfassung, viele davon sind komplett eingeschlafen, alle mindestens reduziert. Meine Depression (in dieser Iteration) hat unheimlich viele Facetten. Traurigkeit ist tatsächlich kein Teil davon. Was aber (ziemlich großer) Teil davon ist, ist das Gefühl, allein zu sein. Um es mal sehr überspitzt zu formulieren:...

Beziehungen als Bedürfniserfüller?

Ich habe mich vor ein paar Tagen mit einem lieben Menschen über Beziehungen unterhalten. Dieser Mensch meinte, dass Beziehungen in gewisser Weise ja auch Bedürfnisbefriedigung seien. Dazu kam mir dann gestern noch ein Thread auf Twitter unter, dessen (für mich) zentrale Aussage Weshalb sollte der Mensch alle seine Bedürfnisse erfüllt bekommen, egal ob von einem oder von mehreren? Wie kommt man auf diese Idee? *Das* ist Disney-Romantik! Das Bild der rundum "glücklichen" Person, der alle Bedürfnisse erfüllt werden. #askapoly #polyamory — Glitz R. Stern (@glittertinted) March 4, 2020 mich zu einen Antwort-Thread verleitet hat, in Folge dessen ich noch eine tolle Unterhaltung zu dem Thema hatte. Beides schlägt in die selbe Kerbe und lässt mich nicht so richtig los. Erstmal ganz deutliche Zustimmung zu der Aussage des Tweets oben. Niemand hat ein Recht darauf, seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Egal von wem oder wie vielen. Beziehungen sind nicht dafür da, meine...

Süßigkeiten und Verbindungen

Ich habe irgendwann angefangen, Beziehungen oder auch Verbindungen allgemein mit Süßigkeitentüten zu vergleichen. Diesen weißen Papiertüten, die man früher für 1 DM am Kiosk kaufen konnte. Dabei ist die Tüte das Label der Verbindung. Eine weiße Tüte ist also eine (romantische) Beziehung. Die einzelnen Süßigkeiten sind all die Dinge, die zu der Beziehung gehören, die sie zu einer Beziehung machen. Wenn ich Beziehung sage, dann gehören für mich bestimmte Dinge ganz sicher dazu. Ich habe Erwartungen daran, was das bedeutet und gehe in der Regel davon aus, dass das für andere auch so oder wenigstens ähnlich ist. Ähnlich, wie wenn ich den Kiosk gehe und mir dort eine bereits gefüllte Tüte hole. Wenn ich immer im gleichen Kiosk bin, dann weiß ich nach einiger Zeit, was da so drin ist und was ich zu erwarten habe. Ich gehe davon aus, dass das im nächsten Kiosk auch so ist, weil ich das ja so kennen gelernt habe und am Ende verkauft er ja das selbe - eine weiße Papiertüte mit Süßigkeiten...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 24: Finding Partners

1. Am I excited by the prospect of being with this person? Is he a "Fuck yes!"? -- Bin ich aufgeregt bei der Vorstellung, mit dieser Person zusammen zu sein? Ist es ein "Fuck yes!"? Bei den Menschen, die schon einen festen Platz in meinem Leben haben, definitiv. Bei Menschen, mit denen das noch nicht so ist, braucht das einfach länger und manchmal entwickelt es sich, manchmal nicht. Ich finde aber auch nicht, dass ich bei  jedem super aufgeregt oder begeistert sein muss, sondern dass es sich gut anfühlen sollte. Davon ist am Ende eben auch abhängig, was wir miteinander teilen (wollen). Es muss sich nicht immer überschlagen, um valide und schön zu sein - gleichzeitig sollte es natürlich auch nur ein "Gibt keinen Grund dagegen" sein. 2. Does this person have relationship values similar to mine? -- Hat diese Person Vorstellungen und Werte bezüglich Beziehungen, die meinen ähnlich sind? Nicht alle, aber die meisten schon. Nicht für jede Art von Verbindu...

(Alb-)Träume und Veränderungen

Der Traum fängt an, wie viele andere vor ihm. Es ist das einzige Zimmer, das ich in meiner Kindheit und Jugend hatte, das wirklich mir gehört hat. Wie gewöhnlich war es anders eingerichtet, irgendwas zwischen meinem heutigen Ich, persönlichen Wünschen und passendem Setting für den kommenden Inhalt. Irgendwie seltsam, wenn ich so darüber nachdenke, aber vollkommen normal. Gewöhnlich. Ich habe mich mit irgendwas befasst, als der Traum anfing. Aufräumen, packen.. so etwas. Jedenfalls bin ich viel durch das Zimmer gegangen, um Dinge zu suchen. Gleichzeitig wusste ich natürlich, dass es einer dieser Träume war, sodass ich mir auch ein bisschen die Zeit vertrieben habe, bis es wirklich losging. Das hier war nur die Einleitung, vielleicht eher der Prolog. Wenn ich hier ankomme, dann ist das in der Regel mit einer Mischung aus Resignation und leichtem Interesse, was dieses Mal kommen wird. Ich weiß genau, dass ich träume und habe in gewissem Maß Kontrolle darüber, was passiert. Ich weiß ab...

(Meine Haltung zu) Feminismus

Bin ich Feministin? Ganz klar, nein. Finde ich, dass Feminismus scheiße ist? Ganz und gar nicht. Aber. Und das Aber ist ein großes. Für mich. Denn Feminismus ist nicht für mich . Gleichzeitig vereinnahmt er mich und respektiert mich damit nicht. Natürlich ist das nicht bei jedem Teil des Feminismus so. Aber so grundsätzlich schon. Mich Feministin zu nennen, würde genau das eben auch tun - mich als Frau vereinnahmen. Aber von vorn. Ich bin weiß. Ich bin keine Frau, sondern non-binary. Gerade weißer Feminismus denkt aber häufig trans Frauen, Sexworker*innen und auch BIPoC nicht mit oder schließt sie sogar aktiv aus. Non-binary Personen werden entweder vereinnahmt oder ausgeschlossen. Menschen, die ihren Lebensweg selbst entscheiden, werden ausgegrenzt oder gar beschuldigt, das Patriarchat zu stützen, wenn es nicht den eigenen Vorstellungen von "Befreiung" entspricht - in der Regel also zu nah an "traditionellen Werten" liegt. Sex positivity wird als Waffe genu...

Meine Pronomen

Seit ich mir meines Geschlechtes bewusster werde, dem näher komme, die Transfeindlichkeit ablege, mir selbst einfach näher komme und all das auch bewusster wahrnehme bzw. überhaupt erst zulasse und mich auch mit anderen Erfahrungen auseinandersetze, wird mir immer klarer, dass ich trans bin. Und vor allem auch, welches flavor of trans ich bin. Lange Zeit habe ich gedacht, dass das absolut unwichtig ist und nichts ausmacht. Am Ende bin ich Mensch, Geschlecht ist nicht identitätsstiftend. Und das ist zu einem gewissen Grad auch immer noch richtig - aber ich fühle mich auch zunehmend unwohl damit, von anderen Menschen als Frau wahrgenommen zu werden. Ich kann Komplimente nicht ernst nehmen und erst recht nicht annehmen, wenn sie an mich als Frau gerichtet sind. Nicht, weil ich nicht glaube, dass der Mensch das so meint, sondern weil ich keine Frau bin und das entsprechend nichts mit mir zu tun haben kann. Weil ich mich nicht gesehen, nicht wahrgenommen fühle, und Komplimente an ein Ich...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 23: Your Partner's Partners

1. What are my expectations of my metamours? -- Was erwarte ich bezüglich meiner metamours? Nichts. Ich gehe davon aus, dass sie tolle Menschen sein müssen, wenn Menschen, die ich gern habe, gerne Zeit mit ihnen verbringen und ihnen so nahe sind. Es ist toll, wenn wir uns kennen lernen können und verstehen. Noch mehr, wenn wir gemeinsam Zeit verbringen können, sollte sich das ergeben. Oder wir zumindest die gleichen social events besuchen können, ohne dass es zu Problemen kommt. Was ich erwarte ist, dass sie meine Autonomie nicht einzuschränken versuchen. Das ist in der Regel aber eher ein Partner- und kein metamour-Problem. 2. Do I have to know my metamours? Do I expect to have close relationships with them? -- Muss ich meine metamours kennen (lernen)? Erwarte ich, enge Beziehungen zu ihnen zu haben? Nein, aber es ist nett, wenn es passiert. Noch mehr, wenn wir uns gut verstehen. Absolut nicht. Wenn sich eine Verbindung ergibt, ist das schön. Wenn nicht, ist das vollkommen in ...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 22: Relationship Transitions

1. How do I approach the end of my relationships? What do I want from my former partners? -- Wie begegne ich dem Ende meiner Beziehung? Was möchte ich von meinen ehemaligen Partnern? Ich begegne einem Ende offen. Das kann passieren und tausende Gründe haben. Mir ist wichtig, dass es freundschaftlich und respektvoll endet. Nicht immer ist das zu bewerkstelligen, aber es ist mir wichtig. Ich wünsche mir, dass ich mit meinen ehemaligen Partnern Kontakt haben kann, wenigstens soweit, dass wir die gleichen sozialen Räume besuchen können, ohne dass es sich doof anfühlt. Es ist schön, wenn es eher eine Deeskalation wird, als eine wirkliche Trennung, aber es ist okay, wenn das nicht geht - ob für den Moment oder grundsätzlich. 2. If a relationship ends, what does that mean for my other partners? Will I try to promote one of them to primary? -- Was bedeutet es für meine anderen Partner, wenn eine Beziehung endet? Werde ich einen von ihnen zu meinem Primary machen? Das Ende einer meiner B...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 21: Poly Puzzles

1. Do the choices I make take me closer to, or further from, the best version of me? -- Bringen mich die Entscheidungen, die ich treffe, näher zu der besten Version meiner selbst, oder führen sie davon weg? Ich denke, das kommt immer auf die Situation an. Grundsätzlich ist mein Ziel schon, mir selbst näher zu kommen und zu wachsen, anstatt mich klein kriegen zu lassen. Ob das die beste Version meiner selbst ist, kann ich schwer beurteilen. Ich weiß nicht, wo die Enden dieser Skala sind, aber gebe mein Bestes. 2. When I am faced with conflict, how do I seek to act with courage? -- Wenn ich einem Konflikt gegenüberstehe, wie versuche ich, mutig zu handeln? Ich spreche den Konflikt an und versuche, meinen Standpunkt sinnvoll darzulegen, aber auch den Standpunkt meines Gegenübers zu hören. Andernfalls ist es unmöglich, gemeinsam nach Lösungen oder Wegen zu suchen, wie es funktionieren kann. Gleichzeitig werde ich nicht um jeden Preis versuchen, den Konflikt zu lösen - das muss schon ...