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Sex Positivity

Ich bin heute über  diesen  Artikel gestolpert und auch wenn ich es irgendwie schon wusste, hat es mich doch etwas erschreckt, wie viel Sex Positivity als Begriff ausgenutzt wird, um Menschen zu Dingen zu zwingen, die sie nicht wollen. Wie ein Begriff, der eigentlich etwas positives hervorbringen sollte und Selbstbestimmung stärken, indem Angst und Scham um das Thema Sex reduziert werden, nun die selben Mechanismen von Angst und Scham nutzen, um in die andere Richtung Druck und Zwang auszuüben. Es erschreckt mich, und macht mich traurig, weil es immer wieder so wirkt, als würden Menschen nicht dazu lernen. Als seien sie ewig gefangen in ihrer eigenen kleinen Welt, in der jeder genau so sein muss, wie sie ihn gerne hätten. Anstatt einfach anzunehmen, dass Menschen unterschiedlich sind und es einfach nichts gibt, das für jeden passt. Und das muss es auch nicht. Wie ich es verstehe, und glaube, dass es gedacht war, ist, dass es bei dem Konzept von Sex Positivity darum geht, ...

Verantwortung für andere

Immer wieder wird uns mitgeteilt, dass wir Verantwortung tragen müssen. Nicht nur für uns selbst, auch für die Menschen in unserer Umgebung. Verantwortung für ihre Bedürfnisse, für ihr Wohlergehen. Ich glaube nicht. Sicherlich tragen wir Verantwortung für Kinder, die sich in unserer Obhut befinden. Aber nur, weil sie das nicht selbst können. Vielleicht für andere Angehörige, eben weil sie es nicht mehr selbst können. Aber Verantwortung für jemanden zu übernehmen, der dazu durchaus selbst in der Lage ist, erwachsen, im Besitz seiner geistigen Kräfte, ist übergriffig. Es macht den Menschen klein, raubt ihm seiner Autonomie und Selbstständigkeit. Seiner Selbstverantwortung. Verantwortung für jemanden zu übernehmen, der dazu selbst in der Lage ist, beraubt ihn seiner Selbstständigkeit und bedeutet, dass man ihn behandelt wie jemanden, der dies nicht kann. Jemanden, dem man das nicht zutraut. Andere Menschen liegen nicht in meiner Verantwortung. Ich, die Erfüllung meiner Bedürfnisse,...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 15: How Poly Relationships are Different

1. What are my existing commitments? How much time do they leave for new partners? -- Was für Verpflichtungen / Verbindlichkeiten habe ich bereits? Wie viel Zeit habe ich noch für neue Partner? Tatsächlich gehe ich meine commitments immer sehr individuell ein und überprüfe sie regelmäßig - sowohl für mich, als auch mit meinem Gegenüber gemeinsam. Grundsätzlich neige ich dazu, eher solche zu nehmen, die entweder nicht spezifisch für diese Person sind (Ehrlichkeit, Offenheit, dauerhafte Kommunikation über den Stand der Dinge), oder eben welche, die für den Moment gelten (bspw. Verabredungen, Absprachen für spezifische Situationen). Das führt dazu, dass meine commitments sehr flexibel sind und ich sie besser an die Gegebenheiten anpassen kann. Aber eben auch dazu, dass man sich sicher sein kann, dass sich nicht plötzlich Dinge ändern, weil eine ständige Kommunikation gegeben ist bzw. keine Versprechungen gegeben werden, die sich auf die Art der Beziehung beziehen und unhinterfragt beste...

Sex and Gender

Oder auch Geschlecht und Geschlechtsidentität. Für mich sind beides komische Konzepte, mit denen ich nicht viel anfangen kann. Geschlecht kann ich zumindest noch in gewisser Weise nachvollziehen: Ausprägungen eines Körpers, auch wenn das gar nicht so eindeutig ist, wie es immer dargestellt wird und primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale definitiv auch nicht immer eindeutig sind. Warum das wichtig sein soll, erschließt sich mir nicht, abgesehen von wenigen Ausnahmen. Und warum Menschen danach kategorisiert werden und das Unterschiede machen soll, ist mir auch unklar. Auch wenn mir bewusst ist, dass es zumindest kulturell bedingt sehr große Unterschiede gibt. Aber ob es die geben müsste? Da bin ich mir ganz und gar nicht sicher, auch wenn's gern so hingestellt wird. Geschlechtsidentität kann ich tatsächlich noch weniger nachvollziehen. Es gab in meinem Leben mittlerweile einen kurzen Moment, in dem ich dachte "Oh, so fühlt sich "männlich" also an?".. aber ic...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 14: Practical Poly Agreements

When considering an agreement: -- Wenn eine Vereinbarung in Betracht gezogen wird: 1. What is the purpose of this agreement? -- Was ist der Zweck dieser Vereinbarung? Wie so häufig kommt das sehr darauf an, welche Vereinbarung man sich gerade ansieht und muss dann wirklich für jede einzeln betrachtet werden. Es ist auf jeden Fall wichtig, dass man sich dessen wirklich klar ist - nicht nur oberflächlich, sondern das eigentliche, zu Grunde liegende Bedürfnis kennt, um sinnvoll verhandeln zu können und zu wissen, was geht und was nicht. Auch, dass der  Zweck verstanden wird und nicht nur der Wortlaut. 2. Does the agreement serve the purpose it is intended to serve? -- Dient die Vereinbarung dem intendierten Zweck? Hier ist ein kritisches Hinterfragen wirklich wichtig. Auch dafür ist es notwendig zu wissen, welches Bedürfnis wirklich dahinter steht. 3. Is this agreement the only way to serve this purpose?  -- Ist die Vereinbarung der einzige Weg, den Zweck zu erfüllen? ...

Sehnsucht

Ich vermisse meine Menschen. Ich kann sie einfach bei weitem nicht so häufig sehen, wie ich das gern würde. Zum einen ist da das Problem mit der Zeit, zum anderen ist ein gar nicht so kleiner Anteil davon nicht in meiner direkten Umgebung. Ich vermisse jeden einzelnen davon, und jeden auf seine eigene, einzigartige Art. Einfach, weil jeder einzigartig ist. Aber im Normalfall leide ich nicht darunter. Es ist mehr ein "schade, dass wir uns nicht öfter sehen können. Aber ich bin glücklich, einen Platz in deinem Leben zu haben!". Aber so sehr ich jeden einzelnen davon auch vermisse, so sehr freue ich mich auch über die Zeit für mich allein. Für mich ist es ein schönes Gefühl, heim zu kommen und allein sein zu können. Mit niemandem sprechen zu müssen, und genau das zu tun, wonach mir gerade ist, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Es ist ein tolles Gefühl, das Bett für sich allein zu haben, und ich genieße es sehr, allein zu schlafen. Und dennoch gibt es dann diese Momente, in d...

Einfach ist nicht richtig.

Ich habe nun schon länger darüber schreiben wollen, und passend dazu gab es vor Kurzem einen Artikel in einem der Blogs, denen ich folge, in dem das nur kurz angeschnitten wurde (farbliche Hervorhebungen von mir): Now, some people will say that if your partner struggles at all with negative emotions surrounding polyamory that this means that it isn’t something they should be doing at all. That you’re either naturally polyamorous or not. And a person who is used to monogamous relationships can’t adapt and be happy in a polyamorous relationship system. A lot of people believe this. But I don’t. I believe it’s possible for a partner to be having a hard time adjusting and still want to learn to adapt and eventually be successful at it. And that’s because I effectively learned to become polyamorous. There are a significant number of people who don’t fall into nonmonogamy as a default relationship pattern and instead discover it later in life through chance, circumstance, seekin...

"You need to choose!"

Es ist ja ein sehr bekanntes Thema, aber ich bin da nun länger nicht so offensichtlich drüber gestolpert. Tatsächlich muss ich sagen, dass New Girl sehr schön zeigt, dass es eben nicht immer so einfach ist - auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie sie es lösen werden. So weit bin ich noch nicht. Die Szene ist in etwa, dass einer der Protagonisten gerade wieder eine Beziehung mit seiner früheren Freundin hat, diese mit auf die Hochzeit der Frau genommen hat, für die er bis kurz vorher noch gekämpft hat, und am Ende kommt es zu einer Szene im Flur, wo die drei zusammen stehen. Das jetzige Paar hatte sich schon zuvor über die Braut unterhalten und die Freundin fragt nun, ob sie von dem Protagonisten gesprochen hat. Sie bejaht das, und beide sind sich sehr schnell einig, dass er sich nun entscheiden müsste. "Are you in love with her, or are you in love with me?", his girlfriend. "You have to decide", the bride. Tatsächlich läuft er davon. Es wird sehr schnell s...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 13: Empowered Relationships

1. How do I encourage decision-making participation by all my partners? In what ways do I show my partners they are empowered? -- Wie ermutige ich meine Partner dazu, an Entscheidungen mitzuwirken? Mit welchen Mitteln zeige ich meinen Partnern, dass sie eigenmächtig sind? Tatsächlich wurde mir vor Kurzem erst gesagt, dass ich das nicht tun würde. Daher reflektiere ich das momentan sehr genau. Mein Ziel ist es zumindest, zu reden. Menschen daran teilzuhaben, wo ich gerade stehe und ihnen zuzuhören, wo sie gerade sind, um dann zu sehen, wie das zusammen passt. Dabei sollte es darum gehen, dass sich niemand verdrehen muss, und sich alle wohl fühlen. Manchmal funktioniert das nicht. Ich will Menschen das Gefühl geben, dass sie selbst entscheiden können, was sie wollen und was nicht, und wir dann gemeinsam einen Weg finden, der für uns passt. Es ist mir wichtig, dass Menschen - nicht nur meine Partner - immer wissen, dass sie wichtig sind, dass sie Möglichkeiten haben und Entscheidunge...

Begegnungen

Es gibt diese Begegnungen, die man nicht heraufbeschwört. Die man nicht sucht. Mit denen man nicht rechnet. Jene, die alle Pläne durchkreuzen und dazu führen, dass es doch ganz anders kommt, als man sich das gedacht hatte. Und tatsächlich stelle ich immer wieder fest, dass diese Begegnungen ganz besondere sind. Wertvoll. Wichtig. Besonders. Selbst wenn ich vielleicht könnte, habe ich gelernt, dass ich nicht mehr einfach daran vorbeigehen mag. Stattdessen bin ich dankbar dafür, nehme sie an und genieße sie in vollen Zügen, wie lange sie auch immer anhalten. Mittlerweile habe ich gelernt, dass es immer dazu führt, dass sich Dinge bewegen, verschieben - dass es neue Dinge zu lernen und erleben gibt. Dinge, die gerade wichtig sind. Wertvolles. Was auch immer das sein mag. Manchmal sind es nur winzige Kleinigkeiten, von denen ewig nicht klar ist, dass es passiert ist. Bis Jahre später dann im Rückblick herauskommt, dass es da angefangen hat. Manchmal sind es riesige Veränderungen, die da...

Trennungen

Ich lese immer wieder mal, dass es diesen Glaubenssatz gibt, sich in poly nicht mehr trennen zu müssen. Und jedes Mal wieder sitze ich davor und schüttle den Kopf. Natürlich hat man in poly weniger das Problem, dass man sich entscheiden muss und kann dann einfach mehrere Menschen haben. Aber es gibt so viele Gründe, sich zu trennen, und nahezu alle anderen bleiben erhalten. Polyamorie schützt dich nicht vor unterschiedlichen Bedürfnissen oder Ansichten. Es ist keine Hilfe bei Erwartungen, die nicht zusammen passen. Inkompatibilität ist ein Thema, das genauso groß ist, wie es in jeder anderen Beziehungsform auch der Fall ist - nichts kann einen davor schützen. Es passiert eben. Manchmal passt es nicht. Daran hat dann niemand Schuld, und es gibt auch keinen "Bösen". Es hat ja niemand etwas falsch gemacht - aber passen tut es dadurch trotzdem nicht. Auch durch poly verschwinden nicht plötzlich auf magische Art alle Gründe, sich zu trennen.  Leider. Aber auch hier ist es...

Poly ist hart

Vor einigen Wochen habe ich mit meiner (leider nicht mehr) metamour darüber gesprochen, wie hart Polyamorie sein kann. Wobei, ganz so einfach ist es nicht, und es war ein wundervolles Gespräch mit sehr viel Lachen. Ich weiß nicht mehr genau, wie wir dazu kamen, aber sie meinte im Laufe des Abends zu mir: "Wenn ich gefragt werde, ob poly nicht anstrengend ist, dann antworte ich mittlerweile: Naja - also mir tut der Rücken schon etwas weh am nächsten Morgen, wenn ich die Nacht zwischen zwei Menschen geschlafen hab!" oder etwas, das dem sehr nahe kommt. Und es war großartig - auch, weil wir beide sehr glücklich mit unserem poly-Dasein sind und das einfach vollkommen verstehen können. Und weil sie einfach ein wundervoller Mensch ist, den ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Ich hab ihr dann erzählt, was ich viel schlimmer finde - und als wirklich hart in poly Verbindungen empfinde. Und wir haben wirklich sehr viel gelacht diesen Abend, und darüber hinaus beschlossen,...

Solo Poly

Ich habe vor einiger Zeit für mich beschlossen oder besser: realisiert, dass der Begriff „solo poly“ durchaus auf mich zutrifft. Nicht, weil ich quasi Single bleiben will. Aber weil vieles, was sonst noch darunter fällt, durchaus auf mich zutrifft. Autonomie und Freiheit. Ich will mein Leben und meine Verbindungen nicht danach ausrichten, dass es schon andere Menschen in meinem Leben gibt. Ich will meine eigenen Entscheidungen treffen und für mich bleiben, aber dennoch Nähe und commitments haben. Aber ich will selbst entscheiden, was und wie das geht, und mich nicht nach anderen ausrichten. Das bedeutet für mich eben auch, keine super intertwined Verbindungen mehr eingehen zu wollen – ich will keine Finanzen teilen, nicht abhängig sein, keine Kinder oder eine Bezugsperson für Kinder sein, keinen größeren gemeinsamen Besitz. Ich will mich in meiner Lebensplanung auf Menschen beziehen, aber mich nicht nach ihnen ausrichten. Ich will selbst entscheiden, wie viel Zeit ich mit wem verbri...

Gastbeitrag: Vom Müssen in Beziehungen

Einer meiner Partner, stettberger, hat mir vor einigen Tagen einen Text weitergeleitet, den er ausformuliert hat, um gewisse Gedanken nochmal deutlich zu machen und mich gefragt, ob ich ihn veröffentlichen mag, nachdem er thematisch schon in meinen Blog passen würde. Und ich fand die Idee gut. Ich würde ihm auch zustimmen in seinen Gedankengängen, auch wenn sie sehr weitreichende Folgen haben. Ich glaube, dass, selbst wenn Menschen davon überzeugt sind, dass dem so ist, es dennoch schwierig ist, dies immer bewusst zu haben. Nichts desto trotz ist es in meinen Augen wahr, und wichtig, sich das immer wieder mal in Erinnerung zu rufen. --- In einem Gespräch bin ich vor einiger Zeit dazu gekommen, einen Gedanken zu formulieren, der mich schon lange begleitet und der mich schon häufig darin bestätigt hat, meine Entscheidungen autonom fällen zu dürfen. Der Gedanke, dass man als Mensch beinahe nichts ohne Bedingung muss auf dieser Welt. Und weil dieser Gedanke und die Begründung, die ih...

Buchstaben auf deinem Bildschirm

Ich kann nicht mithalten mit deiner Welt aus Fleisch und Blut, bin ich doch nur Buchstaben für dich. Es fehlt der Eindruck, der Geruch, der Klang meiner Stimme. Weniger real, wenn auch genauso echt. Leichter, sich zu lösen, weil es kein Mensch ist, sondern nur Buchstaben, kein Atem, der stockt, keine Augen, die einen ansehen, keine Hände, die einen festhalten. Nur Worte, ohne den Klang einer Stimme. Auch wenn sicher ist, dass es ein Mensch ist, der am anderen Ende sitzt, wenn es nicht weniger wertvoll ist, so ist es doch anders. Und in diesem anders irgendwie weniger real. Genauso echt, nur weniger real. Ich kann nicht mithalten mit deinem Leben aus Fleisch und Blut, kann dich nicht berühren, nicht ansehen. Ich kann nicht mithalten mit einem Menschen aus Fleisch und Blut, dessen Stimme, an die du dich erinnerst, dessen Berührung, wie sie dich umfängt, dessen Geruch, den du mit dir trägst. Wenn auch nur in deinem Kopf. So viel Tiefe. Bei aller Innigkeit und Intimi...