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Vertrauen

Vertrauen ist eine Entscheidung. Ob ich jemandem vertraue ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Menschen können solchen Menschen vertrauen, die jenes Vertrauen nicht verdient haben, rein rational betrachtet, und vertrauen oft genug nicht, obwohl der Mensch nichts falsches getan hat. Natürlich beeinflusst das Verhalten meines Gegenübers meinen Willen, ihm zu vertrauen. Aber eben auch meine Erfahrungen, meine Risikobereitschaft. Wie sicher ich mich bei und mit einem Menschen fühle. Aber am Ende bleibt es eine Entscheidung - und zwar eine, die ich mir bewusst machen und entsprechend beeinflussen kann. Es gehört für mich zu Selbstverantwortung, sich dessen bewusst zu sein und entsprechend zu handhaben. Dazu gehört dann eben auch, die Verantwortung für mangelndes Vertrauen nicht einfach auf mein Gegenüber zu schieben, sondern meinen eigenen Anteil anzuerkennen. Effektiv läuft es darauf hinaus, dass ich selbst entscheide, wem ich vertrauen will und wie weit. Natürlich kann me...

Sicherheit

Sicherheit ist illusorisch. Nichts im  Leben ist sicher. Warum sollte es auch sicher sein? Dinge ändern sich, Menschen ändern sich. Nichts bleibt, wie es war. Wenn es ständige Veränderung gibt, und wir diese annehmen und als Teil der Wirklichkeit begreifen, kann nichts sicher sein.  In der Regel kreiert Stabilität Sicherheit. Aber Stabilität ist auch fragil, und etwas, das den Auswirkungen von Veränderungen unterworfen ist. Manchmal sehen wir das nicht so sehr, manchmal werden die Veränderungen nicht so deutlich. Manchmal sind die Auswirkungen so klein, dass es nicht wirklich auffällt. Manchmal wollen wir es nur nicht sehen und halten dennoch an dem fest, was wir kennen - weil es Sicherheit verspricht. Sicherheit bedeutet auch, dass es keine Gefahr bedeutet, man selbst zu sein und seinem Ich Ausdruck zu verleihen. Und auch wenn nicht jeder akuter Gefahr ausgesetzt ist, wenn er das tut, geht es doch immer mit einem gewissen Risiko einher. Nicht angenommen zu werden, verach...

Zuhause / Daheim

Ein Zuhause, ein Daheim zu haben, ist für mich etwas unheimlich besonderes. Ich habe sehr viel Zeit meines Lebens nicht das Gefühl gehabt, irgendwo hinzugehören, und mein Begriff von "Zuhause" war der Ort, an dem ich gerade schlafe. Da gab es kein Gefühl dazu, keine Schutz, keinen sicheren Raum. Ich hatte keine Wurzeln, und fühlte mich weder einem Ort noch Menschen so wirklich verbunden, abgesehen von dem Pflichtgefühl, das meiner Verwandtschaft galt - und das eben mehr, weil es eben so sein soll, nicht, weil ich ihnen wirklich nah bin oder wirklich Zugehörigkeit empfinde oder es getan habe. Im Dezember 2013 bin ich dann schließlich in das Haus gezogen, in dem ich das erste Mal erfahren sollte, wie es ist, ein wirkliches Zuhause zu haben. Heimat zu finden. Zugehörigkeit, die über eine vergängliche Verbindung hinaus geht. Ich wurde dorthin eingeladen mit der Intention, endlich mal ein Zuhause zu haben, und das Weihnachten dann auch einen entsprechenden "Zuhause-Becher...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 12: Veto Arrangements

If you want your partner to give you veto power over his or her other relationships:  -- Wenn du von deinem Partner möchtest, dass er dir Veto über seine oder ihre Beziehungen gibt:  1. Under which circumstances do I feel it's appropriate to use it? -- Unter welchen Bedingungen habe ich das Gefühl, es sei angemessen, es zu nutzen? Ich glaube nicht, dass es unter irgendwelchen Bedingungen angemessen ist, ein Veto zu nutzen. Zum einen denke ich nicht, dass ein Mensch, der nicht selbst in der Beziehung steckt, Macht über diese Beziehung haben sollte. Zum anderen funktioniert ein Veto nie so, wie man sich das vielleicht erhofft hat und macht potentiell unheimlich viel kaputt. Ich bin dafür, dass jeder seine Bedürfnisse und Gedanken äußern kann, und man sich zusammen setzt, um zu sehen, wie das zusammen passt. Wenn das nicht geht, muss eben jeder für sich Konsequenzen ziehen. Veto ist aber allzu oft eine Art, Menschen nicht wie Menschen zu behandeln, sondern wie Wegwerfgegens...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 11: Hierarchy and Primary / Secondary Poly

If you are considering implementing a relationship hierarchy: -- Wenn du in Betracht ziehst, eine Hierarchie deiner Beziehungen zu implementieren:  Zunächst einmal: Ich will keine Hierarchie in meinen Beziehungen etablieren. Wenn eine entstehen sollte, dann ganz natürlich. Diese ist jeder Zeit offen für Veränderungen. 1. How do I view potential new partners, both for myself and for my existing partners? Do I see them as potential problems to be managed? Or do I see them as potential sources of joy to enrich my partner's life? How does my approach to hierarchy reflect that view? -- Wie sehe ich potentielle neue Partner, sowohl für mich als auch für existierende Parnter? Sehe ich sie als potentielle Probleme, die gehändelt werden müssen? Oder sehe ich sie als potentielle Quellen für Freude, die das Leben meines Partners bereichern? Wie reflektiert mein Ansatz zu Hierarchie diese Einstellung? Neue Partner sind Bereicherungen für das Leben meiner lieben Menschen, und potentiell ...

Halsband

Ich kann mich daran erinnern, schon in der Schule mein erstes Halsband getragen zu haben. Damals war mir kink zwar bekannt und ich hatte auch eine gewisse Faszination dafür, aber wirklich Erfahrungen oder Kontakt zur Szene hatte ich nicht. Ich katte kinks, über die ich mir bewusst war, und wusste auch, dass das vollkommen okay und "normal" war, weil es bei uns zur Aufklärung dazu gehörte. Aber die Menschen, denen ich nah sein wollte, fanden es nicht toll, wenn ich ihnen weh tat und wollten mir noch weniger weh tun. Wirklich danach gesucht habe ich aber nicht. Vermutlich auch, weil ich doch das Gefühl hatte, mit mir sei etwas nicht in Ordnung. Auf Grund meiner Vergangenheit gar nicht so abwegig - ich war mir einfach nie sicher, ob das nun gesund ist, oder Ausdruck einer kranken und kaputten Psyche. So in meinem ganz persönlichen Fall. Trotzdem habe ich mein Halsband getragen. Ich wollte es unbedingt haben, habe es besorgt, und dann dauerhaft getragen, weil es sich richtig a...

"Plötzliche" Intensität

Es gibt Menschen, denen man begegnet, und es ist toll. Man fühlt sich wohl, aber wie besonders sie für uns sind, stellt sich erst mit der Zeit heraus. Manchmal überrascht es uns wirklich, wie schnell das plötzlich da ist. Wie wichtig uns diese Menschen plötzlich sind, ohne dass wir es vorher geahnt hätten. Manchmal ist es überwältigend, wie nah und intensiv eine Verbindung sein kann. Wie unerwartet diese Verbindungen auftauchen können, oder sich in diese Richtung entwickeln. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Tatsache, dass es uns vorher gar nicht bewusst war - es ändert sich vielleicht gar nichts, es wird uns nur klar. Was auch immer es ist, diese Verbindungen sind besonders. Diese Menschen sind besonders - für uns, die wir sie als solches wahrnehmen. In meiner Erfahrung prägen diese Menschen unheimlich. Es können sehr kurze Begegnungen sein, oder enorm lange - das macht wenig Unterschied. Was sie gemein haben, ist die Intensität und Nähe, die von einem Moment auf den and...

RIP AIM

Gestern ist AIM dann endgültig abgeschaltet worden.  Ich habe auch gebührlich Abschied gefeiert, wenn auch mit weniger Alkohol, als erwartet. Dafür traditionell mit Ansprachen und Austausch von Geschichten. Wobei der Mensch, mit dem ich gefeiert habe, mit AIM gar nicht wirklich zu tun hatte, und es mehr ein "Was hat uns das Internet damals bedeutet?" gewesen ist.  Für mich war AIM - oder besser AOL, woraus AIM ja letztlich entstanden ist - unheimlich wichtig gewesen. Mir ist dann auch erst gestern wirklich bewusst geworden, warum eigentlich, weil es mich zwar sehr geprägt und geformt hat, aber erst in der Reflektion darüber gestern wurde mir wirklich bewusst, wie sehr. Und auch ein wenig, warum.  Als ich angefangen habe, mich im Internet zu bewegen, gab es AIM noch gar nicht. Mein Kontakt ins Internet war damals AOL. Und ich war noch echt jung. Anfangs noch der Hannover Chatroom, dann irgendwann auch Rollenspiel - erst die beiden offiziellen Räume, später dann au...

Rücksicht -- Selbstaufgabe -- Egoismus

Rücksicht ist für mich ein wirklich schwieriges Wort. Es wird so oft benutzt, herangezogen, um die Bedürfnisse des einen Menschen zu übergehen, um die des anderen zu erfüllen. Meist von letzterem, oft von Außenstehenden. Uns wird beigebracht, dass wir Rücksicht nehmen sollen auf unser Umfeld. Insbesondere auf die Menschen, die uns nahe stehen - Familie, Freunde, Partner, Kinder. Je näher, desto mehr Rücksicht ist verlangt. Aber Rücksicht ist nicht, das Bedürfnis zu erfüllen, welches vorgebracht wird. Rücksicht bedeutet, das Bedürfnis desjenigen zu  berücksichtigen, zu bedenken, auf den man Rücksicht nehmen will oder soll, und seine Entscheidung dann mit diesem Bedürfnis im Hinterkopf zu treffen. Das bedeutet eben nicht, dass dieses geäußerte Bedürfnis erfüllt wird, oder dass man rücksichtslos handelt, wenn man sich anders entscheidet. Es bedeutet nur, dass man es in die Entscheidungsfindung mit einbezieht. Die Gewichtung und auch die endgültige Entscheidung liegen bei demjenig...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 10: Rules and Agreements

1. What need am I trying to address with this agreement? -- Welches Bedürfnis (notwendig) versuche ich mit dieser Abmachung anzugehen? Das ist super spezifisch für jede einzelne Abmachung und dadurch höchst individuell. Demnach kann ich das hier nicht allgemein beantworten. 2. Does the agreement offer a path to success? -- Bietet die Abmachung eine Möglichkeit, erfolgreich zu sein? Siehe Nummer 1. 3. Does everyone affected by the agreement have the opportunity to be involved in setting its terms? -- Hat jeder, der von der Abmachung betroffen ist, die Möglichkeit, in der Ausformulierung involviert zu sein? Das ist mir persönlich wichtig, ja. Praktisch kann das schwierig sein, auch, wenn es die Menschen noch gar nicht gibt. Wichtig ist, dass sie dann involviert werden können und es sich entsprechend auch ändern kann. Deswegen versuche ich, das in meinen Abmachungen immer im Auge zu behalten und flexibel zu bleiben, nachzufragen etc. - nicht immer ist es mir allerdings bewusst, ...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 9: Boundaries

1. Is my partner asking me to give up control of my autonomy, my body or my emotions? -- Bittet mein Partner mich, Kontrolle über meine Autonomie, meinen Körper oder meine Gefühle aufzugeben? Das ist schon vorgekommen. Es ist etwas, das ich nicht mehr bereit bin, auch nur in Ansätzen aufzugeben. Nichts davon. 2. Am I being asked to consent to something in a way that I can't later withdraw my consent? -- Werde ich auf eine Art um Einverständnis/Zustimmung gebeten, die dazu führt, dass ich mein Einverständnis / meine Zustimmung später nicht zurückziehen kann? Soweit ich das momentan beurteilen kann, nein. Sollte ich das Gefühl bekommen, ziehe ich mich aus Verbindungen jeglicher Art zurück. 3. Am I afraid to say I may need to leave this relationship? -- Habe ich Angst zu sagen, dass ich die Beziehung vielleicht verlassen muss? Hatte ich. Mit niemandem, der jetzt in meinem Leben ist, habe ich das noch. Abgesehen von der Verlustangst, die in mir selbst ist, mit der ich aber le...

Namen

Ich wurde letztens gefragt, ob es - zumindest bei Menschen - so was wie wahren Namen gibt, wobei sich auf Kingkiller Chronicles bezogen wurde. Wie man das von mir kennt, war meine Antwort nicht kurz und straight forward, wenn auch eindeutig und klar. Darüber hinaus treibt mich die Frage wirklich um, auch wenn ich eigentlich eine recht klare Meinung dazu habe. An Namen wird immer so unheimlich viel Bedeutung geknüpft. Allerdings glaube ich nicht, dass Namen für Menschen so machtvoll sind, auch wenn es sich sicherlich leicht so anfühlt. Dinge und Menschen zu benennen ist unheimlich machtvoll, ja, aber vor allem, weil sich unser Umgang mit ihnen dadurch ändert. Ich denke, wenn Namen auf diese Weise wie in Kingkiller Chronicles wichtig sind, dann definitiv nicht auf einer Ebene, die Menschen greifen können. Was Namen aber machtvoll macht, in meinen Augen, ist die Bedeutung, die wir ihnen beimessen. Namen sind Teil unserer Identität. Unseres Bewusstseins. Sie sind so wichtig für ...

Ghosting

Ghosting ist scheiße. Immer. Es ist scheiße, wenn man sich noch nicht allzu gut kennt, aber eine Unterhaltung führt, die gut gelaufen zu sein scheint, und dann kommt plötzlich nichts mehr. Es ist besonders scheiße, wenn man schon vieles miteinander geteilt hat, sich nah ist. War. Und dann plötzlich einfach nichts mehr kommt, und man gar nicht genau weiß, woran es liegt. Manchmal kann man sich ein paar Dinge denken, die vielleicht dazu geführt haben. Manchmal nicht einmal das. So oder so, es ist ein beschissenes Gefühl. Nicht zu wissen, woran man ist. Was nun ist. Ob das dauerhaft ist, oder nur für jetzt. Warum. Was der Auslöser war. Hat man etwas falsch gemacht? Hat es überhaupt mit einem selbst zu tun? Was für mich das schlimmste daran ist, ist vor allem, dass ich nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Und dass ich hinterfrage, ob all das, was ich gesehen habe, geglaubt habe, was geteilt wurde, doch gar nicht so gewesen ist, oder nicht so wertvoll, wie es für mich wirkte. ...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 8: Taming the green-eyed monster

1. Am I worried that if someone "better" comes along, my partner will realize I'm not good enough and want to replace me? -- Mache ich mir Sorgen, dass, wenn jemand "besseres" vorbei kommt, mein Partner realisieren wird, dass ich nicht gut genug bin und er mich ersetzen will? Nein. Wenn er mich dann ersetzen wollen würde, würde er nicht mit mir zusammen sein. Und selbst wenn, dann wäre es ohnehin nicht echt und nicht wert, die Beziehung weiterzuführen. Nichts desto trotz bin ich fest davon überzeugt, dass jeder, der in meinem Leben ist, mich auch in seinem Leben haben will und mich nicht ersetzen will - zumal das nicht möglich ist. 2. Am I uncertain about the value my partner sees in me? Am I not sure why my partner wants to be with me? -- Bin ich mir unklar darüber, welchen Wert mein Partner in mir sieht? Bin ich mir unsicher darüber, warum mein Partner mit mir zusammen sein will? Manchmal. Aber wenn es mir auffällt, dann frage ich explizit danach. Grun...

Untitled

Du sagst, du hättest keinen Platz für mich in deinem Leben.  Aber ich sehe, wie du Platz für mich machst. Dir Zeit für mich nimmst. Wirklich da bist, bei mir. Dich einlässt. Du sagst, es sei der falsche Zeitpunkt.  Ich sehe, wie du ehrlich sagst, wie es ist. Und mir trotzdem nahe kommst. Bist. Und wann ist es schon der richtige Zeitpunkt? Ich sage dir, ich wolle nicht, das du gehst. Aber du weißt, ich halte dich nicht fest. Ich bringe dich zur Tür, zum Auto, zur Haltestelle. Lächelnd. Traurig, dass du gehst, ja. Aber vielmehr dankbar. Für deine Zeit, deine Anwesenheit, deine Aufmerksamkeit. Die Dinge, die du mit mir teilst. Erfüllt von Glück und Freude, dich in meinem Leben haben zu dürfen. Du sagst bis bald. Und ich weiß, dass da Platz für mich ist, in deinem Leben. Dass du ihn für mich machst. Du siehst mich an.  Und ich fühle mich gesehen, geschätzt und gewollt. Als Mensch. Als ich selbst. Ich sage dir, ich erwarte nichts. Aber es fällt dir immer noch...