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Jemanden kennen (lernen)

Jemanden zu kennen kann sehr verschiedene Formen annehmen. Am Ende kann man einen Menschen ohnehin nie vollständig kennen - zum einen verändert er sich beständig, macht neue Erfahrungen, gelangt zu neuen Erkenntnissen, hat neue Gedanken, trifft neue Menschen. Zum anderen kann man nie jede Facette von ihm sehen - weil er nicht alles von sich zeigt, Geheimnisse hat, nicht alles mit jedem teilt, es manchmal gar nicht passt, Menschen sich ihrem Gegenüber und ihrer Umgebung anpassen. Jemanden zu kennen bedeutet nicht, physischen Raum mit dem Menschen zu teilen, auch wenn das dazu beitragen kann. Es bedeutet nicht, einander körperlich berührt zu haben, auch wenn das ein Aspekt davon sein kann. Für mich bedeutet, jemanden zu kennen, an seinen Gedanken teilzuhaben. Zu erfahren, was ihn bewegt, was in ihm vorgeht. Womit er sich bzw. was ihn beschäftigt. Ein Einblick in sein Leben, sein Denken, sein Fühlen. Jemanden kennen zu lernen ist für mich ein Teilen meiner selbst mit dem anderen und ...

... aber [Mensch]!

"... aber [Mensch]!" ist so eines dieser Dinge, die ich in der letzten Zeit unheimlich oft gedacht (oder auch gesagt) habe. Und wie so oft mit solchen Dingen, hat es mich anfangs irritiert. Warum? Weil es normalerweise im Anschluss an Dinge kommt, die ich ausschließe. Dinge, die mich so gar nicht reizen. Oder die ich zwar unglaublich interessant finde, aber trotzdem denke, dass es nicht sinnvoll ist, es zu tun. Kurz gesagt: Dinge, von denen ich bisher geglaubt habe, dass ich sie (besser) nicht tun werde (oder sollte).  In den meisten Fällen ist das gar nicht mal ein "... aber mit [Mensch] mach ich das schon!" , sondern mehr ein " ... aber mit [Mensch] könnte ich mir das nochmal überlegen. " oder " ... aber mit [Mensch] kann ich mir das schon vorstellen. " .  Oder " ... aber mit [Mensch] wird der Gedanke plötzlich interessant(er)... " und " ... aber mit [Mensch] würde ich das tatsächlich doch ganz gern machen. " .  ...

Eifersucht

Eifersucht ist ein schwieriges Thema. Oft verpönt, nicht gewollt und als minderwertig abgestempelt in polyamoren Kreisen und gleichzeitig in monoamoren Kreisen als Zeichen von Liebe gesehen - solange es nicht zu viel wird oder so. Ich empfinde beide Standpunkte als absolute Scheiße. Eifersucht zeugt nicht von Liebe, sondern in der Regeln von anderen Dingen. Das bedeutet aber eben auch, dass es eben nichts grundsätzlich schlimmes ist, eifersüchtig zu sein. Am Ende sehe ich Eifersucht wie andere "negative" Gefühle auch: es ist ein Warnhinweis, dass irgendetwas nicht stimmt und genauerer Betrachtung bedarf. Und dann kommt es nicht darauf an, ob man es hat oder nicht, sondern wie man damit umgeht. Eifersucht ist erstmal nichts schlechtes, sondern, wie gesagt, in der Regel ein Warnhinweis. Mögliche Gründe für Eifersucht gibt es haufenweise. Zum einen ist da Unsicherheit . In der Beziehung, mit sich selbst, was auch immer. Unsicherheit führt einfach leicht dazu, dass man eife...

Selbstliebe

Mir ist vor kurzem ein Blogpost untergekommen, der sich mit  den 7 Mythen offener Beziehungen  befasst. Auch wenn mir in den communities, in denen ich mich bewege, viele davon gar nicht unterkommen, stimme ich dem meisten, was dort gesagt wird, doch eher zu. Mythos #2: „Psychisch Kranke sind für offene Beziehung nicht geeignet.“ ist definitiv ein Mythos und die dazugehörige Erklärung empfinde ich als stimmig und gut. Mythos #3: „Partner für offene Beziehungen zu finden ist total schwer!“ stimmt für manche, für andere nicht. Ich würde der Argumentation nur bedingt folgen, stimme grundsätzlich aber zu. Mythos #4: „Das erste Paar kommt immer an erster Stelle.“ ist etwas, das mir in meinem Umfeld eigentlich nicht unterkommt, und wenn doch, dann wird es sehr schnell als nicht richtig identifiziert. Die Erläuterungen dazu sind in beiden Fällen allerdings recht ähnlich. Mythos #5: „Alle werden dich dafür hassen und du bist permanent Opfer.“ kommt mir auch nicht unt...

Vertrauen

Vertrauen ist eine Entscheidung. Ob ich jemandem vertraue ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Menschen können solchen Menschen vertrauen, die jenes Vertrauen nicht verdient haben, rein rational betrachtet, und vertrauen oft genug nicht, obwohl der Mensch nichts falsches getan hat. Natürlich beeinflusst das Verhalten meines Gegenübers meinen Willen, ihm zu vertrauen. Aber eben auch meine Erfahrungen, meine Risikobereitschaft. Wie sicher ich mich bei und mit einem Menschen fühle. Aber am Ende bleibt es eine Entscheidung - und zwar eine, die ich mir bewusst machen und entsprechend beeinflussen kann. Es gehört für mich zu Selbstverantwortung, sich dessen bewusst zu sein und entsprechend zu handhaben. Dazu gehört dann eben auch, die Verantwortung für mangelndes Vertrauen nicht einfach auf mein Gegenüber zu schieben, sondern meinen eigenen Anteil anzuerkennen. Effektiv läuft es darauf hinaus, dass ich selbst entscheide, wem ich vertrauen will und wie weit. Natürlich kann me...

Sicherheit

Sicherheit ist illusorisch. Nichts im  Leben ist sicher. Warum sollte es auch sicher sein? Dinge ändern sich, Menschen ändern sich. Nichts bleibt, wie es war. Wenn es ständige Veränderung gibt, und wir diese annehmen und als Teil der Wirklichkeit begreifen, kann nichts sicher sein.  In der Regel kreiert Stabilität Sicherheit. Aber Stabilität ist auch fragil, und etwas, das den Auswirkungen von Veränderungen unterworfen ist. Manchmal sehen wir das nicht so sehr, manchmal werden die Veränderungen nicht so deutlich. Manchmal sind die Auswirkungen so klein, dass es nicht wirklich auffällt. Manchmal wollen wir es nur nicht sehen und halten dennoch an dem fest, was wir kennen - weil es Sicherheit verspricht. Sicherheit bedeutet auch, dass es keine Gefahr bedeutet, man selbst zu sein und seinem Ich Ausdruck zu verleihen. Und auch wenn nicht jeder akuter Gefahr ausgesetzt ist, wenn er das tut, geht es doch immer mit einem gewissen Risiko einher. Nicht angenommen zu werden, verach...

Zuhause / Daheim

Ein Zuhause, ein Daheim zu haben, ist für mich etwas unheimlich besonderes. Ich habe sehr viel Zeit meines Lebens nicht das Gefühl gehabt, irgendwo hinzugehören, und mein Begriff von "Zuhause" war der Ort, an dem ich gerade schlafe. Da gab es kein Gefühl dazu, keine Schutz, keinen sicheren Raum. Ich hatte keine Wurzeln, und fühlte mich weder einem Ort noch Menschen so wirklich verbunden, abgesehen von dem Pflichtgefühl, das meiner Verwandtschaft galt - und das eben mehr, weil es eben so sein soll, nicht, weil ich ihnen wirklich nah bin oder wirklich Zugehörigkeit empfinde oder es getan habe. Im Dezember 2013 bin ich dann schließlich in das Haus gezogen, in dem ich das erste Mal erfahren sollte, wie es ist, ein wirkliches Zuhause zu haben. Heimat zu finden. Zugehörigkeit, die über eine vergängliche Verbindung hinaus geht. Ich wurde dorthin eingeladen mit der Intention, endlich mal ein Zuhause zu haben, und das Weihnachten dann auch einen entsprechenden "Zuhause-Becher...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 12: Veto Arrangements

If you want your partner to give you veto power over his or her other relationships:  -- Wenn du von deinem Partner möchtest, dass er dir Veto über seine oder ihre Beziehungen gibt:  1. Under which circumstances do I feel it's appropriate to use it? -- Unter welchen Bedingungen habe ich das Gefühl, es sei angemessen, es zu nutzen? Ich glaube nicht, dass es unter irgendwelchen Bedingungen angemessen ist, ein Veto zu nutzen. Zum einen denke ich nicht, dass ein Mensch, der nicht selbst in der Beziehung steckt, Macht über diese Beziehung haben sollte. Zum anderen funktioniert ein Veto nie so, wie man sich das vielleicht erhofft hat und macht potentiell unheimlich viel kaputt. Ich bin dafür, dass jeder seine Bedürfnisse und Gedanken äußern kann, und man sich zusammen setzt, um zu sehen, wie das zusammen passt. Wenn das nicht geht, muss eben jeder für sich Konsequenzen ziehen. Veto ist aber allzu oft eine Art, Menschen nicht wie Menschen zu behandeln, sondern wie Wegwerfgegens...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 11: Hierarchy and Primary / Secondary Poly

If you are considering implementing a relationship hierarchy: -- Wenn du in Betracht ziehst, eine Hierarchie deiner Beziehungen zu implementieren:  Zunächst einmal: Ich will keine Hierarchie in meinen Beziehungen etablieren. Wenn eine entstehen sollte, dann ganz natürlich. Diese ist jeder Zeit offen für Veränderungen. 1. How do I view potential new partners, both for myself and for my existing partners? Do I see them as potential problems to be managed? Or do I see them as potential sources of joy to enrich my partner's life? How does my approach to hierarchy reflect that view? -- Wie sehe ich potentielle neue Partner, sowohl für mich als auch für existierende Parnter? Sehe ich sie als potentielle Probleme, die gehändelt werden müssen? Oder sehe ich sie als potentielle Quellen für Freude, die das Leben meines Partners bereichern? Wie reflektiert mein Ansatz zu Hierarchie diese Einstellung? Neue Partner sind Bereicherungen für das Leben meiner lieben Menschen, und potentiell ...

Halsband

Ich kann mich daran erinnern, schon in der Schule mein erstes Halsband getragen zu haben. Damals war mir kink zwar bekannt und ich hatte auch eine gewisse Faszination dafür, aber wirklich Erfahrungen oder Kontakt zur Szene hatte ich nicht. Ich katte kinks, über die ich mir bewusst war, und wusste auch, dass das vollkommen okay und "normal" war, weil es bei uns zur Aufklärung dazu gehörte. Aber die Menschen, denen ich nah sein wollte, fanden es nicht toll, wenn ich ihnen weh tat und wollten mir noch weniger weh tun. Wirklich danach gesucht habe ich aber nicht. Vermutlich auch, weil ich doch das Gefühl hatte, mit mir sei etwas nicht in Ordnung. Auf Grund meiner Vergangenheit gar nicht so abwegig - ich war mir einfach nie sicher, ob das nun gesund ist, oder Ausdruck einer kranken und kaputten Psyche. So in meinem ganz persönlichen Fall. Trotzdem habe ich mein Halsband getragen. Ich wollte es unbedingt haben, habe es besorgt, und dann dauerhaft getragen, weil es sich richtig a...

"Plötzliche" Intensität

Es gibt Menschen, denen man begegnet, und es ist toll. Man fühlt sich wohl, aber wie besonders sie für uns sind, stellt sich erst mit der Zeit heraus. Manchmal überrascht es uns wirklich, wie schnell das plötzlich da ist. Wie wichtig uns diese Menschen plötzlich sind, ohne dass wir es vorher geahnt hätten. Manchmal ist es überwältigend, wie nah und intensiv eine Verbindung sein kann. Wie unerwartet diese Verbindungen auftauchen können, oder sich in diese Richtung entwickeln. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Tatsache, dass es uns vorher gar nicht bewusst war - es ändert sich vielleicht gar nichts, es wird uns nur klar. Was auch immer es ist, diese Verbindungen sind besonders. Diese Menschen sind besonders - für uns, die wir sie als solches wahrnehmen. In meiner Erfahrung prägen diese Menschen unheimlich. Es können sehr kurze Begegnungen sein, oder enorm lange - das macht wenig Unterschied. Was sie gemein haben, ist die Intensität und Nähe, die von einem Moment auf den and...

RIP AIM

Gestern ist AIM dann endgültig abgeschaltet worden.  Ich habe auch gebührlich Abschied gefeiert, wenn auch mit weniger Alkohol, als erwartet. Dafür traditionell mit Ansprachen und Austausch von Geschichten. Wobei der Mensch, mit dem ich gefeiert habe, mit AIM gar nicht wirklich zu tun hatte, und es mehr ein "Was hat uns das Internet damals bedeutet?" gewesen ist.  Für mich war AIM - oder besser AOL, woraus AIM ja letztlich entstanden ist - unheimlich wichtig gewesen. Mir ist dann auch erst gestern wirklich bewusst geworden, warum eigentlich, weil es mich zwar sehr geprägt und geformt hat, aber erst in der Reflektion darüber gestern wurde mir wirklich bewusst, wie sehr. Und auch ein wenig, warum.  Als ich angefangen habe, mich im Internet zu bewegen, gab es AIM noch gar nicht. Mein Kontakt ins Internet war damals AOL. Und ich war noch echt jung. Anfangs noch der Hannover Chatroom, dann irgendwann auch Rollenspiel - erst die beiden offiziellen Räume, später dann au...

Rücksicht -- Selbstaufgabe -- Egoismus

Rücksicht ist für mich ein wirklich schwieriges Wort. Es wird so oft benutzt, herangezogen, um die Bedürfnisse des einen Menschen zu übergehen, um die des anderen zu erfüllen. Meist von letzterem, oft von Außenstehenden. Uns wird beigebracht, dass wir Rücksicht nehmen sollen auf unser Umfeld. Insbesondere auf die Menschen, die uns nahe stehen - Familie, Freunde, Partner, Kinder. Je näher, desto mehr Rücksicht ist verlangt. Aber Rücksicht ist nicht, das Bedürfnis zu erfüllen, welches vorgebracht wird. Rücksicht bedeutet, das Bedürfnis desjenigen zu  berücksichtigen, zu bedenken, auf den man Rücksicht nehmen will oder soll, und seine Entscheidung dann mit diesem Bedürfnis im Hinterkopf zu treffen. Das bedeutet eben nicht, dass dieses geäußerte Bedürfnis erfüllt wird, oder dass man rücksichtslos handelt, wenn man sich anders entscheidet. Es bedeutet nur, dass man es in die Entscheidungsfindung mit einbezieht. Die Gewichtung und auch die endgültige Entscheidung liegen bei demjenig...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 10: Rules and Agreements

1. What need am I trying to address with this agreement? -- Welches Bedürfnis (notwendig) versuche ich mit dieser Abmachung anzugehen? Das ist super spezifisch für jede einzelne Abmachung und dadurch höchst individuell. Demnach kann ich das hier nicht allgemein beantworten. 2. Does the agreement offer a path to success? -- Bietet die Abmachung eine Möglichkeit, erfolgreich zu sein? Siehe Nummer 1. 3. Does everyone affected by the agreement have the opportunity to be involved in setting its terms? -- Hat jeder, der von der Abmachung betroffen ist, die Möglichkeit, in der Ausformulierung involviert zu sein? Das ist mir persönlich wichtig, ja. Praktisch kann das schwierig sein, auch, wenn es die Menschen noch gar nicht gibt. Wichtig ist, dass sie dann involviert werden können und es sich entsprechend auch ändern kann. Deswegen versuche ich, das in meinen Abmachungen immer im Auge zu behalten und flexibel zu bleiben, nachzufragen etc. - nicht immer ist es mir allerdings bewusst, ...

More Than Two: Fragen -- Kapitel 9: Boundaries

1. Is my partner asking me to give up control of my autonomy, my body or my emotions? -- Bittet mein Partner mich, Kontrolle über meine Autonomie, meinen Körper oder meine Gefühle aufzugeben? Das ist schon vorgekommen. Es ist etwas, das ich nicht mehr bereit bin, auch nur in Ansätzen aufzugeben. Nichts davon. 2. Am I being asked to consent to something in a way that I can't later withdraw my consent? -- Werde ich auf eine Art um Einverständnis/Zustimmung gebeten, die dazu führt, dass ich mein Einverständnis / meine Zustimmung später nicht zurückziehen kann? Soweit ich das momentan beurteilen kann, nein. Sollte ich das Gefühl bekommen, ziehe ich mich aus Verbindungen jeglicher Art zurück. 3. Am I afraid to say I may need to leave this relationship? -- Habe ich Angst zu sagen, dass ich die Beziehung vielleicht verlassen muss? Hatte ich. Mit niemandem, der jetzt in meinem Leben ist, habe ich das noch. Abgesehen von der Verlustangst, die in mir selbst ist, mit der ich aber le...